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Marita Brettschneider – Farbenvielfalt

„Wenn auch die Rose die Königin der Blumen ist, die Iris ist eine Göttin“
Zitat: Michael Feiler

_DSC7153AHfkleinPharao Thutmosis der I. brachte diese Blume ca. 1504 vor Christus aus Syrien mit. Er setzte sie zum Zeichen seiner Macht als Symbol in Wandreliefs im Tempel von Karnak und stilisiert als Abschluss auf sein Szepter ein. Seither ist sie für Ägypten ein Siegessymbol. Ihren Namen erhielt diese Pflanze nach der griechischen Göttin des Regenbogens – Iris – wegen ihrer überirdischen Schönheit ausstrahlenden, schimmernden Blüten. Der Regenbogen, die Farben am Himmel aus Wasser, Luft und Licht, steht als Sinnbild für einen Bund zwischen Himmel und Erde wie es schon das Alte Testament beschreibt. Der Schimmer des Regenbogens, der sich auf Blütenblätter legt, ist die göttliche Nachricht von der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen nach der großen Sintflut. Das erste Zeichen das Noah zusammen mit der Taube, die den Ölzweig brachte, sah.

Das farbige Band erinnert aber auch an die geflügelte Götterbotin der griechischen Antike, die weibliche Entsprechung zum geflügelten Götterboten Hermes. In ihrem blumengleichen Kleid aus Tautropfen, in dem sich die Gestirne des Himmels spiegeln, schreitet sie über den Regenbogen. Sie übermittelt göttliche Botschaften und begleitet die Seelen weiblicher Verstorbener auf der Bahn des Regenbogens in das Reich des ewigen Friedens. In allen Kulturen erhielt die Iris eine Sonderstellung unter den Blumen: In Japan symbolisiert ihr Blatt am 5. Mai zum Tag des Knabenfestes Tapferkeit. Mohammedanische Kulturen nutzen sie als Zeichen des Wohlstandes. Durch Mönche und Kreuzritter fand sie ihren Weg über die Alpen. 1150 nimmt Frankreichs König Ludwig der VII. die fälschlich als Lilie bezeichnete gelbe Wasseriris in sein Wappen auf. Für ihn stand sie für Weisheit, Glaube und Heldenmut. Viele Länder und europäische Adelsgeschlechter nehmen gleichfalls die Iris in ihr Wappen als Zeichen der Ritterlichkeit auf. Das Blatt stand für ein kampfbereites Schwert, die Blüte für ein reines Herz. (Quelle: Symbolik der Pflanzen, Marianne Beuchert)

Die Farbpalette der Irisblüten entspricht fast der des Regenbogens – aber eben nur fast. So wie es bei der Rose keine rein blauen Blüten gibt, so gibt es bei der Iris keine roten. Obwohl die Züchtung eine lange Tradition hat und bis heute eine ungeheure Farbenvielfalt geschaffen wurde, ist es noch nicht möglich eine rein rote Iris zu züchten. Das Rot der Iris enthält immer Blau oder Gelb, sodass Farben entstehen wie Lila, Flieder, Rosa, Orange, Kupfer, Nachtblau, Schwarz, Lachs, Rotbraun…., aber kein Rot. Die Blüte gliedert sich in drei Domblätter, drei Hängeblätter, drei Bärten und drei Narben. Die wiederkehrende Zahl Drei im Blütenaufbau ließ sie schnell auch zu einer christlichen Symbolpflanze für die Dreieinigkeit werden. Mit ihren über 300 Arten ist sie gleich nach der Rose die beliebteste Pflanze der Züchter und Gärtner. Sie wurde zum wichtigen Bestandteil in der Parfumherstellung für Chanel, Versace, Cacharel, Lagerfeld und unzähligen weiteren. Auch in der Medizin wird sie als Heilpflanze für zahlreiche Krankheiten eingesetzt. In der Kunst finden wir zu allen Zeiten ihre unverwechselbare Darstellung auf Möbeln, Vasen, Schmuck, Stoffen, Skulpturen, Wappen, Intarsien…

Iris – Iridaceae – Schwertlilie – Giaggiolo – Fleur de Lys – Jakob´s sword – Adebarsblom – Hana ayame – Skegs

_DSC7177AHfkleinAm Anfang steht die Lust auf eine bestimmte Farbgebung – lila, blau, gelb, rosa…. Dann suche ich mir die entsprechende Züchtung dieser Variante (es gibt in Pflanz- katalogen eine unglaubliche Farbenvielfalt). Nach der Vorzeichnung des Motives kann ich mich endlich meinem Lieblingsmedium – den Ölfarben – hingeben. Schon die ersten Farbspuren auf weißer Leinwand lösen in mir ein unbeschreibliches Glücksgefühl aus. Meine Umwelt ist ausgeblendet, Stille, Ruhe und Gelassenheit bemächtigen sich meiner Sinne. Die gewählten, frisch-angemischten Farben auf der Palette hüllen mich in ihren ganz eigenen Duft. Sobald die Natur es zulässt, stehen die echten Blüten in meinem Atelier und erlauben mir, ihr Wesen in sich aufzunehmen.

Ein Hauch von Ewigkeit – ein Fließen von Zeit und Raum – Sinnlichkeit – das Erspüren des Geheimnisses dieser Blüte – eintauchen in die Farben und Formen, die sie für mich so wichtig und unvergleichbar, ja unersetzlich macht. Fast klingt es nach Sucht – süchtig nach vollkommener Schönheit, die ich mit diesen Blüten seit meinen ersten Studien 2004 verbinde. Jedes Mal wird daraus eine ungeahnte, doch willkommene Herausforderung; die vollendeten Schwünge, die unergründlich schimmernden Tiefen, die glitzernden Oberflächen, die Faltenwürfe und samtigen Schattierungen so auszuarbeiten, das ich dem Charakter, aber gleichwohl der Botschaft dieser Blüten gerecht werde.

Immerhin handelt es sich um eine majestätische Himmelskönigin, deren Attribute es verdienen, mein ganzes Können, meine Geduld und meine Liebe einzusetzen. Bewunderung, Ehrfurcht und Hochachtung vor dieser würdevollen Schönheit ist für meine Interpretation wohl der passende Ausdruck. So wird meine Malerei für mich zu einem Ritual, vergleichbar einer Meditation. Meine ureigene Verbindung zur Gegenwart, (die ich sehr bewusst lebe), zur Vergangenheit, (mein Großvater war Kunstmaler) und zur Zukunft (meine Söhne verfügen über ein großes Potenzial an Kreativität). Unbeschreiblich ist das Hochgefühl, wenn ich endlich nach Tagen und Wochen vor dem fertigen Bild stehe und mit mir einig bin, das es so geworden ist, wie ich es erhoffte, erwartete. Momente des vollkommenen Glücks und der Hoffnung – auf die nächste Schaffensperiode – die mich immer wieder an das Gute in meiner Welt glauben lässt und mein Antrieb ist, weiter zu malen!

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