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Rebekka Voss – Kunst als Selbsterkenntnis

Bilder_Rebekka_Voss-9Schon als Kind neigte ich dazu, alles was in mir vorging irgendwie in die Außenwelt bringen und mich anderen Menschen mitteilen zu wollen. Heute weiß ich, dass mir durch diesen Drang die Option zur dauerhaften Selbstreflexion gegeben wurde. Immer, wenn ich meine Gedanken mit der Außenwelt teilte, stieß ich auf Input, der es mir ermöglichte, mich in Relation zu den Dingen zu wissen. Nachdem ich für ein halbes Jahr nach Indien ging, stieß ich bei meiner Rückkehr auf eine andere Welt. Ja, den Kulturschock erlitt ich nicht in Indien, sondern bei meiner Rückkehr nach Deutschland. Diese veränderte Wahrnehmung meiner einst vertrauten Umgebung und der Prozess, der dabei in mir angestoßen wurde, stellte eine innere Aufgabe für mich dar, die kaum in verbaler Form in meine Umwelt transportiert werden konnte. Während der vielen schlaflosen Nächte nahm ich die Tätigkeit, der ich sonst nur beiläufig nachgegangen war, wieder auf: das Malen. Durch die Berührung des Pinsels und die stundenlange Konzentration auf die Leinwand und das, was darauf entstehen soll, befinde ich mich während des Malens in einem fast meditativen Zustand, der es mir ermöglicht im Hier und Jetzt zu leben, ohne Gedanken an Vergangenheit und Zukunft zu verschwenden. Der Kopf ist frei von allen Lasten des Alltags und einzig und allein damit beschäftigt einen bildlichen Gedanken aus dem Kopf auf die Leinwand zu projizieren. Erst, wenn das Bild fertig ist, wird mir klar, in welch engem Zusammenhang es mit den Gedanken über Vergangenheit und Zukunft steht, die verbal nicht ausdrückbar waren.

Rebekka Voss – Gipsstatuen und Malerei

Bilder_Rebekka_Voss-8Die Kunst führt mich zur Selbsterkenntnis und zeigt mir Wahrheiten über die Welt, die zuvor nicht greifbar waren und häufig nur undeutlich hervortraten. Diese Selbsterkenntnis und dieser schwerelose Augenblick im Hier und Jetzt machen mich glücklich. In meinem Kunststil habe ich bisher, wie wohl die meisten, einiges ausprobiert. Hauptsächlich male ich, doch mich faszinieren auch andere Kunstarbeiten, wie zum Beispiel Gipsstatuen. In der Malerei habe ich bemerkt, dass Landschaftsmalereien mich nicht reizen, dass Menschen für mich das wirklich spannende auf dieser Welt sind. Ich habe bemerkt, dass ich grundsätzlich lieber alte Frauen, schreiende Männer oder traurige Kinder male als makellose Menschen. Ich habe jedoch auch gemerkt, dass sich keiner das Bild eines schreienden Mannes übers Bett hängen mag. Deshalb versuchte ich mich dann doch an weniger befremdlichen Abbildungen: an etwas symmetrisch so perfektem wie einem Pferd, oder noch besser einem Einhorn, an der bunten Welt Indiens, nur beschönigt mit goldenem Boden, an Stelle von Müllbergen und natürlich an nackten, makellosen Frauen. Ich male hauptsächlich mit Öl- und Acrylfarben. Für die Hintergründe meiner Bilder weiß ich das schnell trocknende Acryl sehr zu schätzen. Für den Vordergrund bevorzuge ich farbintensive Ölfarben. Viele meiner Bilder enthalten goldfarbene Elemente. Hierbei habe ich mir die schlecht deckende Eigenschaft der goldenen Acrylfarbe zu Nutzen gemacht, indem ich erst den kompletten Hintergrund in kräftigen Farben gestalte und ihn anschließend mit zwei Schichten goldener Farbe übermale, wodurch dominante Muster und Farben in den Hintergrund rücken. Goldene Farbe symbolisiert für mich etwas Beschönigendes. Die sonst triste Realität wird vergoldet. Bei der Betrachtung der vergoldeten und beschönigten Bilder lohnt es sich daher neben dem Sichtbaren auch über das gezielt Verborgene zu spekulieren. Weniger verborgen bleibt die Wahrheit in meinen unbeschönigten Bildern, bei denen ich mich häufig, fast unbewusst für einen schwarzen Hintergrund entscheide. Die Farbe Schwarz, hat im Gegensatz zu goldener Farbe etwas sehr Direktes an sich. Zusätzlich erzeugt sie einen hohen Kontrast, der den Vordergrund stärker betont. Hierbei bleibt die Wahrheit nicht verborgen, sie tritt in unbeschönigter Form deutlich hervor.

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